Mulchrob auf der WTD erstmals im Einsatz

Mulchrob auf der WTD erstmals im Einsatz

21 Tonnen schwere Spezialkonstruktion der Firma Bergmann Maschinenbau

Etwas gespenstisch wirkt das Szenario schon: Da fährt ein gewaltiges Raupenfahrzeug führerlos durch die mächtigen Moorgebiete der Wehrtechnischen Dienststelle 91 in Meppen. Wie von Geisterhand geführt, zieht es seine Bahnen und holzt Birken und Traubenkirschen um.

Meppen. Und wo selbst Traktoren sofort versinken würden, bleibt dieses sonderbare Gefährt trotz seines Gewichtes von 21 Tonnen oben und bahnt sich mit sieben km/h unaufhaltsam seinen Weg. Dabei wurde dieses Raupenfahrzeug für diesen sehr speziellen Einsatz von der Meppener Firma Bergmann Maschinenbau & Co. KG im Auftrag der Bundeswehr eigens konstruiert und gebaut.

Jetzt fand eine Schauvorführung des Mulchrobs auf dem WTD-Gelände statt. „Dieser Einsatz ist eine absolute Ausnahme und wurde mit Naturschützern abgestimmt“, so Klaus Steinl, Leiter des Bundeswehrdienstleistungszentrums. Vorab hätten Mitarbeiter die Versuchsfläche durchkämmt. Die übliche Einsatzzeit des Mulchrob liege außerhalb der Brut- und Setzzeit.

Per Fernbedienung steuert ein WTD-Mitarbeiter den Giganten. Die Spezialfräse räumt alles weg, was ihr in den Weg kommt. Selbst 35 Zentimer dicke Bäume werden binnen Sekunden zu Kleinholz verarbeitet.

Das Fahrzeug wurde eigens für die 4000 Hektar FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitatrichtlinie) wie Tinner und Staverner Dose auf dem insgesamt 21 000 Hektar großen Areal der WTD entwickelt. Dabei weiß Herbert Grünloh als Meister der WTD-Geländebetreuung um die besonderen Anforderungen: „Selbst Traktoren besitzen in dem feuchten Gelände keine Tragfähigkeit mehr.“ Gleichwohl will die Bundeswehr die Moorgebiete pflegen und schützen. „Deshalb müssen wir den Aufschlag mit Birken und Traubenkirschen bremsen“, so Grünloh. Auf der anderen Seite darf das große Fahrzeug die Bodennarbe nicht beschädigen. Zudem würde starker Baumwuchs auch die Sichtachsen der Bundeswehr bei Schießübungen behindern. Der Mulchrob soll pro Jahr 60 bis 80 Hektar bearbeiten.

Firmenchef Hans Hermann Bergmann ging auf die besonderen Anforderungen an das Gefährt ein. In diesem sehr feuchten Gelände darf das Gewicht pro Quadratzentimeter 150 Gramm nicht überschreiten. Zum Vergleich: Der menschliche Fußabdruck bringt es auf eine Belastung von 700 Gramm pro Quadratzentimeter.

Die über ein Meter breiten Ketten aus Kunststoff verteilen das Gewicht von 21 Tonnen gleichmäßig auf die Fläche. Angetrieben wird das Fahrzeug von einem 320 PS starken Motor. Bei Ausmaßen von drei Meter Breite und Höhe sowie einer Länge von 8,50 Metern kann das Fahrzeug per Tieflader transportiert werden. Dabei besitzt es eine Fahrerkabine. Hier kann der Fahrer seine Position in der Fahrzeugzelle um 360 Grad drehen. Zudem kann er seine Kabine über eine Notluke verlassen, falls der Gigant doch mal einsackt. Im Gelände selbst kommt das Gerät meist per Fernbedienung zum Einsatz. „Über diverse Kameras sowie Laptops und ein Schaltgerät lässt sich das Fahrzeug selbst aus 1,6 Kilometer Entfernung noch steuern und bedienen“, sagt Bergmann.

Die Kosten für den Prototyp liegen im mittleren sechsstelligen Bereich. Dabei hofft Bergmann auf weitere Aufträge. Wie WTD-Mitarbeiter Grünloh sagt, gibt es bereits Anfragen von anderen Truppenübungsplätzen .

Quelle: Meppener Tagespost – Lokales – vom 05.04.2017
Autor: Mammes
Foto: Mammes